Samstag, 21. September 2013

"Hätt Maria abgetrieben ...


wärt Ihr uns erspart geblieben!" ist einer der Sprüche und Beleidigungen, die die Gegner des Marsches für das Leben gerne denen zurufen, die schweigend ihre weißen Kreuze tragen. Wenn man so etwas sagt sollte man zumindest wissen, welches wunderbare Kind man am liebsten getötet hätte - und gleichzeitig vielleicht verstehen, daß sie alle wunderbar sind.

Da wir nicht am Marsch für das Leben in Berlin teilnehmen konnten haben wir heute in unserer Kirche Liebfrauen gebetet:

"Wir sind heute zusammengekommen um den Marsch für das Leben, der heute um 13 Uhr beginnt, mit unserem Gebet zu unterstützen.

Bei der Vorbereitung stellten wir fest, daß die Entscheidung, Abtreibung ab der Empfängnis zu verbieten im 19. Jahrhundert von der katholischen Kirche aus 2 Gründen getroffen wurde: Erstens wiesen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse darauf hin, daß ein Embryo keinen Sprung in seiner Entwicklung macht, sondern daß es eine nahtlose menschliche Entwicklung von der Empfängnis bis zur Geburt gibt. Zuvor war Abtreibung auch nicht erlaubt, wurde aber bis zu einer bestimmten Schwangerschaftswoche nicht als Tötung eines Kindes verstanden.

Zweitens wurde in dieser Zeit die Lehre von der unbefleckten Empfängnis Mariens, die schon seit Augustinus galt, zum Dogma erhoben. Wenn aber Maria bereits bei ihrer Empfängnis diese besondere auserwählte Frau war, ist es völlig unlogisch anzunehmen, die Tatsache der Einzigartigkeit dieses Kindes beträfe nicht alle anderen Kinder auch. Wie Benedikt XVI vielfach dargelegt hat: Der Glaube ist vernünftig.

Wir trauern um die getöteten Kinder, um aber überhaupt trauern zu können, muß man sich bewußt sein, was man verliert. Daher haben wir uns entschlossen heute nicht nur den freudenreichen Rosenkranz zu beten sondern auch Lesungen zu nehmen, die eigentlich in den Advent gehören. Wir feiern daher heute in der Trauer das Leben und die Liebe Gottes, denn das ist das Einzige was den Tod überwindet und überwunden hat."

(Da ich heute jemanden kennenlernte, der den Rosenkranz nicht kannte, gebe ich hier die Anleitung. Wer ihn kennt scrollt einfach runter)

Glaubensbekenntnis (wird gebetet wenn man das Kreuz in der Hand hält)
Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn
empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die Heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Vaterunser (wird bei den großen Perlen gebetet)
Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden
Unser täglich Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen.

Gegrüßt seist du Maria (Das gegrüßt seist Du Maria wird auf den kleinen Perlen gebetet, es enthält immer einen Zusatz)

Auf den ersten 3 Perlen:

Gegrüßt seist Du Maria voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir, Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, Jesus,
...der in uns den Glauben vermehre
...der in uns die Hoffnung stärke
...der in uns die Liebe entzünde

(Als Abschluß immer:)
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Vater unser

Gegrüßt seist Du Maria ... Jesus, den Du vom Heiligen Geist empfangen hast. Heilige Maria ...
(1 Gesätz = 10 kleine Perlen, die Gesätze des freudenreichen Rosenkranzes vollziehen die Kindheitsgeschichte Jesu nach, wie sie besonders bei dem Evangelisten Lukas berichtet wird, Lukas 1 und 2)

(Nach jedem Gesätz:)
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und allezeit, und in Ewigkeit. Amen. (bekreuzigen)

Maria, Mutter Gottes, rette die Ungeborenen (nur für diesen Rosenkranz nach allen Gesätzen)

Oh mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.

Lesung Diognetbrief aus dem 2. Jahrhundert n.Chr. Kapitel 5:

Denn die Christen unterscheiden sich von anderen Menschen nicht durch ihren Wohnort, ihre Sprache oder ihre Bräuche. Weder wohnen sie in eigenen Städten, noch sprechen sie einen besonderen Dialekt, noch habe sie eine ungewöhnliche Lebensweise. Die christliche Lehre hat kein besonders einfallsreicher oder fleißiger Mensch erfunden, und die Christen vertreten auch nicht nur einfach eine andere menschliche Lehre. Sie wohnen in Städten, in denen man Griechisch oder andere Sprachen spricht, so wie es sich für jeden ergeben hat. In Kleidung, Nahrung, und in allem, was sonst zum Leben gehört, schließen sie sich dem jeweils Üblichen an. Und doch haben sie ein erstaunliches und anerkannt wunderbares Gemeinschaftsleben. Sie leben zwar an ihrem jeweiligen Heimatort, doch wie Fremde. Sie beteiligen sich als Mitbürger an allem, doch ertragen sie es nur wie Durchreisende. Jede Fremde ist ihre Heimat, und jede Heimat ist ihnen fremd. Sie heiraten und bekommen Kinder wie andere auch, aber sie setzen die Neugeborenen nicht aus.
(Das Neue Testament und frühchristliche Schriften, Klaus Berger)

Vater unser

Gegrüßt seist Du Maria... den Du zu Elisabeth getragen hast. Heilige Maria...

Lesung Altes Testament  Jesaja 9,1+2, 5+6 1/2 (Herder-Bibel):

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; über denen, die im Land der Dunkelheit wohnen, erstrahlt ein Licht.
Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt; die Herrschaft ruht auf seinen Schultern.
Man ruft seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Ewiger Vater, Friedensfürst.
Groß ist die Herrschaft und endlos der Friede für Davids Thron und sein Königreich, das er aufrichtet und festigt in Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.

Vater unser

Gegrüßt seist Du Maria... den Du zu Bethlehem geboren hast. Heilige Maria...

Lesung Altes Testament Psalm 139, bis Vers 12

Herr, Du erforschest mich und Du kennst mich.  Wenn ich sitze und wenn ich stehe, du weißt es;  meine Gedanken schaust du von ferne.
Du schaust mich wenn ich gehe und ruhe, all meine Wege sind dir vertraut. Ehe noch auf der Zunge das Wort liegt, siehe Herr, schon weißt Du um alles.
Von rückwärts und vorne schließt du mich ein und legst auf mich deine Hand.
Wunderbar ist solches Wissen, zu hoch; ich kann es nicht begreifen.
Wohin soll ich flüchten vor deinem Geist, wohin vor deinem Antlitz entfliehen?
Stiege ich zum Himmel empor, so bist du zugegen; wollte ich in der Unterwelt lagern, so bist du auch dort.
Wollte ich Flügel mir leihen vom Morgenrot und ließe mich nieder am fernsten Gestade,
auch dort noch wird deine Hand mich geleiten und halten mich deine Rechte.
Und sagte ich auch: Es soll mich Finsternis bergen und Nacht mich umgeben wie sonst das Licht, so ist doch Finsternis selbst nicht dunkel für dich, Nacht ist dir hell wie der Tag, das Dunkel ist vor dir wie das Licht. 
Vater unser
Gegrüßt seist Du Maria... den du im Tempel aufgeopfert hast. Gegrüßt seist du Maria...

Lesung Altes Testament Psalm 139, Vers 13 bis 18

Du hast gebildet mein Innerstes; du hast mich im Schoß meiner Mutter gewoben.
Ich preise dich, daß ich geschaffen bin so wunderbar; daß wunderbar all deine Werke!
Du kennst meine Seele bis auf den Grund, nicht war dir verborgen mein Wesen:
Als ich gebildet wurde im Dunkel, gewoben in den Tiefen der Erde, schon sahen deine Augen auf meine Taten.
In dein Buch sind alle geschrieben, festgelegt die Tage, ehe einer noch war,
Wie unergründlich sind mir, o Gott, deine Pläne, wie unermeßlich ist ihre Zahl!
Wollte ich sie zählen, sie sind mehr als Körner im Sand; und käme ich ans Ende, ich wäre erst am Beginn.

Vater unser

Gegrüßt seist Du Maria... den du im Tempel wiedergefunden hast. Heilige Maria...

Fürbitten

Großer Gott wir bitten für die abgetriebenen Kinder, nimm sie in Dein Reich auf 

Herr erbarme Dich

Wir bitten für die Eltern, die diese Schuld auf sich geladen haben, tröste sie und zeige ihnen Deinen Weg des Friedens und der Liebe

 Herr erbarme Dich

Wir bitten für die, die heute wieder ihren Haß über die ausschütten werden, die die Tötung so vieler Menschen verhindern wollen. Bekehre und heile sie.

Herr erbarme Dich

Salve Regina (gesungen auf der zentralen Medaille)

Lied: Maria breit den Mantel aus

Das Bild kommt von hier.

Donnerstag, 19. September 2013

Kaiser Konstantin und die Alternative für Deutschland


Ich verfolge die Diskussion über die neue Partei Alternative für Deutschland AfD sozusagen auf allen Kanälen. Öfter wird da gewarnt sie sei nicht dezidiert christlich und darum müsse man vorsichtig sein.

Was hat Kaiser Konstantin, der im 4. Jahrhundert das Christentum im römischen Reich zur Staatsreligion gemacht hat, damit zu tun?

Es wird kolportiert, daß Kaiser Konstantin zwar auf seine Mutter, die Heilige Helena, gehört hat, die Einführung des Christentums war aber für ihn auch eine Entscheidung der Vernunft. Er war klug genug um zu wissen, daß ein Fürst nur gut regieren kann wenn seine Untertanen ihr Teil dazu beitragen, und er nicht ständig seine Polizei hinter ihnen herschicken muß. Und er wußte, daß er die Mitte der Gesellschaft unterstützen muß, diejenigen, die arbeiten und Kinder bekommen - und sich nicht von Randgruppen vor sich hertreiben lassen darf, wie das jüngst wieder bei Frau Merkel zu besichtigen war, auch wenn diese Randgruppen noch so laut schreien. Das römische Reich war damals schwer auf dem Abstieg, was, außer einer flächenmäßigen Überdehnung, auch dem Umstand geschuldet war, daß die römische Gesellschaft völlig dekadent geworden war. Ehe und Familie galten nicht viel, statt dessen gefiel sich die Gesellschaft in Untreue, gleichgeschlechtlicher Liebe und es gab jede Menge Abtreibungen - man hat in den alten Abwasserkanälen ganze Ansammlungen von Babyskeletten gefunden, die dort offenbar einfach entsorgt wurden.

Ein kluger Herrscher konnte und kann sehen, daß eine Religion, die die Achtung jedes Menschen propagiert, daß jeder Mensch von klein auf von Gott gewollt ist, eine Religion, die es verbietet, zu lügen und betrügen und die alle Menschen in diese Werte einbezieht und nicht nur die eigenen Mitglieder, nur zu einem friedlichen und prosperierenden Staat führen kann.

Unser emeritierter Papst Benedikt XVI hat immer sehr betont, daß es möglich ist Gott und seine Gebote auch mit der menschlichen Vernunft zu erkennen und auch der Katechismus der katholischen Kirche lehrt das.

Das bedeutet, daß Menschen die sich anschauen wie sich ein Staatenwesen entwickelt, keine Christen sein müssen um, wie Kaiser Konstantin, in der Lage zu sein zu erkennen, wohin bestimmte Ideologien führen, und was man tun kann um einen Staat aus einer Lage der Dekadenz, aus dem Auseinanderklaffen der gesellschaftlichen Schichten, aus einer zunehmend diktatorischen Zentralgewalt in Brüssel und aus einer Währungsunion, die, wie bereits zu sehen, zum Haß der Völker untereinander führt, anstatt zu einem friedlichen Miteinander, herauszuführen und wieder ein prosperierendes Staatswesen daraus zu machen.

Die Mitglieder der AfD sind gestandene Leute, die nicht seit Jahrzehnten im politischen Elfenbeinturm im Kreis laufen - die Kuppel des Bundestages empfinde ich da als sehr symbolisch. Anstatt eines Augenarztes als Wirtschaftsminister könnten wir durchaus einen renommierten Ökonomen brauchen, der versteht um was es in dieser komplizierten Finanzwelt geht und welche staatlichen Eingriffe welche Folgen haben. Fühlt er sich dann auch noch seiner Familie und seinem Volk verpflichtet, anstatt wie allzu viele Mitglieder des Bundestages einzig auf eine politische Karriere hin gearbeitet zu haben, so bestehen gute Chancen, daß wir aus dem Muspott herauskommen indem wir die richtigen Leute ins Parlament wählen. Ich finde es albern, eine Partei zu kritisieren weil es in ihr zu viele Professoren gäbe. Eine CDU-Bundestagsabgeordnete sagte vor kurzem sie kenne sich mit der Wirtschaft nicht aus, Frau Merkel würde das schon richtig machen. Aber abstimmen wird sie, ohne sich die Mühe zu machen sich kundig zu machen! Warum denkt eigentlich irgend jemand, daß es uns helfen kann wenn wir in unserem zentralen Entscheidungsorgan lauter Dummchen und Kopfnicker sitzen haben?

Das Programm der AfD wird noch ausgearbeitet werden müssen, es ist aber schon jetzt zu sehen, daß es dort viele Übereinstimmungen mit christlichen Werten gibt und daß außerdem viele führende Mitglieder dieser Partei diese Werte auch verteidigen. Wir brauchen frischen Wind in diesem Land und die Politik muß wieder ehrlich gegenüber ihren Bürgern werden, anstatt ihnen die Lage ihres Landes zu verschweigen, die Bürger auszunehmen, daß es kracht, und sie mit absoluten Nebenthemen zu befassen anstatt damit, was man tun kann, um unser Rentensystem zu retten und unsere Familien zu unterstützen und rechtliche Grundlagen zu schaffen, die es Frauen ermöglichen, im geschützten Rahmen der Familie ihre Kinder groß zu ziehen.

Seit Jahrzehnten werden die Bedingungen für Mütter und Familie verschlechtert, wir haben unglaublich viele Abtreibungen und es wird ein Lebensstil hofiert, der das immer schlimmer macht. Wenn ich eine Partei finde, die da endlich umkehrt, dann wähle ich sie und dann brauche ich da kein extra C im Namen!

Martin Lohmann, der den Marsch für das Leben in Berlin an diesem Samstag organisiert ist gerade aus der CDU ausgetreten, weil er sich da mit seinen Anliegen alleine gelassen fühlt, und um zu demonstrieren, daß ein Christ auch eine andere Partei wählen kann. Also überlegts Euch!


Dienstag, 30. Juli 2013

Statement zu Franziskaner der Immaculata

von hier. Ebenso wie das Bild.

The FI’s (Franziskanische Brüder der Immaculata) and Pope Francis:
Updated Posted on July 29, 2013 by frangelo

 It was reported in the Catholic online press today that our religious community, the Franciscan Friars of the Immaculate, has been assigned an Apostolic Commissioner by the Sacred Congregation for Institutes of Consecrated life. Pope Francis has ordered the decree which goes into effect on August 12.

Pope Francis has also severely restricted our use of the Extraordinary Form of the Mass, and this has been reported by a major italian journalist as a “contradiction” of Pope Benedict’s permission granted in the motu proprio Summorum Pontificum. This is an unfortunate instance of an overeager journalist sensationalizing something he can only speculate about.

The restrictions on our community are specific to us and have been put in place for reasons specific to us. Pope Francis has not contradicted Pope Benedict. The visitation of our community began under Pope Benedict and the Commission was recommended by Cardinal João Braz de Aviz who was appointed to the Congregation by Pope Benedict. What is being reported in the press and what has actually transpired within our community over the course of a number of years are two different things.

Many of us—I would hope most of us—Franciscan Friars of the Immaculate, welcome the Holy Father’s intervention into our life and trust fully that Holy Mother Church knows exactly what she is doing, even when the journalists do not. We entrust ourselves to her care, just as we do to the Immaculate. Please pray for our Institute. 

Update: Many of the comments in the blogosphere about Pope Francis concerning his decision in regard to our Institute are simply disgraceful, and “justified” by the most tenuous rationalizations. He is the Vicar of Christ. It is less than twenty-four hours since this hit the Internet and so many think they have got it all figured out. I have also seen sheer fabrications about the situation in our Institute within some of these comments. May God have mercy on us. Thank God for all the holy popes we have had for the past fifty years, who all have had much to suffer.


Und jetzt reißt Euch mal zusammen die ganze Truppe. Hetze aus welcher Richtung auch immer gegen welchen Papst auch immer bleibt Hetze - ganz gleich von wo sie kommt!

Montag, 22. Juli 2013

Hexenverfolgungen und die katholische Kirche

Statt mich weiter im Kommentarbereich zu prügeln, verweise ich auf einen Artikel in Wikipedia, der die auch nach meiner Kenntnis neueste Forschung in Bezug auf Hexenverfolgungen referiert. Hier ein paar Zitate:

"Altertum:
Obwohl die juristische Verwendung des Begriffs „Hexe“ erst Anfang des 15. Jahrhunderts eingeführt wurde, ist der Glaube an Zauberer bereits in den alten Hochkulturen nachzuweisen. Magische Praktiken wurden sorgfältig beobachtet und oft als Schwarze Magie gefürchtet. Sowohl in Babylonien (Codex Hammurapi: Wasserprobe) als auch im Alten Ägypten wurden Zauberer bestraft. Das Alte Testament verbietet Zauberei ((Lev 19,26 EU)) und fordert zur Verfolgung von Zauberern auf ((Ex 22,17 EU)). Hexen im Sinne der Frühen Neuzeit kennt die Bibel aber nicht. Nach dem Zwölftafelgesetz der Römer wurde negativer Zauber mit dem Tod bestraft (Tafel VIII). Allerdings kam es niemals zu einer gezielten Verfolgung von vermeintlichen Hexen wie später in der Frühen Neuzeit. Die alte Kirche war an Verfolgungen nicht beteiligt[3] und lehnte die mit Hexerei verbundenen Ansichten und Praktiken als Aberglaube (Canon episcopi) ab.

Mittelalter:
Die weit verbreitete Meinung, Hexenverfolgungen seien hauptsächlich eine Erscheinung des Mittelalters gewesen, ist ebenso falsch wie die Meinung, die großen Wellen neuzeitlicher Hexenverfolgung seien vorrangig von der kirchlichen Inquisition angestrebt oder ausgeführt worden. Die vorchristlichen Germanen kannten die Verbrennung von Schadenszauberern seit frühester Zeit. Im karolingischen Frühmittelalter gab es jedoch keine Hexenverfolgung. Karl der Große bestätigte durch das Gesetz den Beschluss des Konzils von Paderborn aus dem Jahr 785:[4] „Wer vom Teufel verblendet nach Weise der Heiden glaubt, es sei jemand eine Hexe und fresse Menschen, und diese Person deshalb verbrennt oder ihr Fleisch durch andere essen lässt, der soll mit dem Tode bestraft werden."

Verbreitung:
Der Zusammenhang von Konfessionen und Hexenverfolgung ist nicht eindeutig. In einigen Ländern wie in Italien und Spanien, in denen die katholische Kirche die Oberhand hatte, waren Hexenverfolgungen selten. Dagegen gehören aber auch viele katholische Regionen zu denen mit der stärksten Hexenverfolgung in Europa.[6] Die Anzahl der Verurteilten war in den verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich. Es gab hierbei Schwerpunkte wie zum Beispiel Skandinavien, Thüringen, das Rheinland, Westfalen (zum Beispiel: Hexenverfolgung im Herzogtum Westfalen), die katholischen Fürstbistümer im deutschen Reich (vgl. z.B. Hexenprozesse in Würzburg oder in Bamberg; auch die Bistümer Köln (ca. 2000 Opfer), Mainz (ca. 1500 Opfer) und Trier (ca. 350 Opfer) waren Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts Schwerpunkte des Verfolgungsgeschehens), die Niederlande, Mecklenburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Gebiete in den USA und das Schweizer Wallis. Um das Jahr 1431 beschreibt der Schweizer Chronist Hans Fründ die Begleitumstände der ab 1428 einsetzenden Hexenverfolgungen im Wallis, mit durchaus kritischem Blick auf das Zeitgeschehen.[7][8][9][10] Aber es gab auch andere Gegenden, wie zum Beispiel das Herzogtum Württemberg, in denen kaum Verfolgung stattfand. In Spanien hat die Inquisition die Hexenverfolgung verhindert. Behauptungen, wie sie im Kulturkampf wieder verbreitet wurden, die Jesuiten hätten zu Hexenverfolgungen angestiftet, wurden schon durch die ausführlichen Untersuchungen der Historiker Johannes Janssen und Bernhard Duhr widerlegt.[11]

Opfer:
Zahl der Opfer
Nach neueren Forschungen und umfangreichen Auswertungen der Gerichtsakten geht man davon aus, dass die Verfolgung in ganz Europa etwa 40.000 bis 60.000 Todesopfer forderte.[14] Etwa 25.000 Menschen wurden auf dem Boden des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, davon in Süddeutschland etwa 9.000, im Thüringer Raum, nach dem Forschungsstand von 2006, 1.565[15] (bei als niedrig eingeschätzter) Dunkelziffer hingerichtet. Dazu kam eine hohe Zahl weiterer zu Konfiskation und Haft Verurteilter. Insgesamt soll etwa drei Millionen Menschen der Prozess gemacht worden sein. Die früher verbreiteten Zahlen von mehreren 100.000 Todesopfern stützten sich auf Schätzungen und das durch Literatur und Filme verbreitete Bild einer ungezügelten Hexenverfolgung. 1786 veröffentlichte Gottfried Christian Voigt seine – auf falschen Zahlen beruhende – These von neun Millionen hingerichteter Hexen, die zu Propagandazwecken von den Nationalsozialisten aufgegriffen wurde und noch heute in der Literatur zitiert wird.
Geschlecht
Etwa 75 bis 80 % der Verfolgten waren, dem mitteleuropäischen Hexereibegriff entsprechend, Frauen. Regional konnte es hier jedoch auch zu Abweichungen kommen. So ging die Hexervorstellung in Nordeuropa beispielsweise eher von männlichen Hexen aus, was sich daran zeigt, dass gleichermaßen oder überwiegend Männer verurteilt wurden (zwischen 50 % in Finnland und bis zu 90 % in Island).[16] Diese Männer wurden als mit einem speziellen Gürtel, der sie in Tiere (Werwölfe) verwandelte, ausgestattete Wesen beschrieben. Die vielfach verbreitete These, es habe sich um organisierten Massenmord an Frauen gehandelt (Gynozid), ist vor diesem Hintergrund wie auch vor dem der oben genannten Opferzahlen unhaltbar.[17]
Weise Frauen
Vermutlich im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Vorstellung, die Hexenverfolgung sei eine organisierte Unterdrückung oder Vernichtung vorchristlicher Kulte gewesen, die von weisen Frauen praktiziert worden seien. Die These wurde später zunächst von der völkischen Bewegung, dann aber auch vom Feminismus der 1960er und 70er aufgegriffen und bildet heute die Grundlage verschiedener neuheidnischer und spirituell-feministischer Bewegungen. Die Bremer Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn und Otto Steiger warfen die in der allgemeinen Öffentlichkeit vielbeachtete These auf, die Hexenverfolgung sei eine Methode gewesen, mit der tradiertes geheimes Verhütungswissen unterdrückt wurde, um die Bevölkerung der neu entstehenden Fürstentümer zu sichern.[18] In der fachwissenschaftlichen Hexenforschung wurde diese Arbeit wegen methodischer Mängel allerdings zurückgewiesen.[19]"

So, den Rest bitte ich dort nachzulesen, offensichtlich übelwollende Kommentare werden ab jetzt schlicht gelöscht, ich habe keine Lust auf Zank und Streit sondern bevorzuge Kommunikation. Kommunikation zeichnet sich dadurch aus, daß man versucht sich gegenseitig zu verstehen und gemeinsam etwas zu erarbeiten anstatt sich zu streiten. Und wehe irgendein Besserwisser kommt mir jetzt mit dem Duden!

Samstag, 20. Juli 2013

Ein Jurist über das angeblich so dunkle Mittelalter


in der eigentümlich frei Nr. 135. Da ich nicht verlinken kann hier eine Zusammenfassung des Artikels von Ferdinand A. Hoischen und einige zentrale Zitate.

Der angeblich so aufgeklärte moderne Mensch setzt das Mittelalter oft gleich mit Leben in bitterster Armut, Hungersnöten, Plagen und Seuchen, Abwesenheit von Recht und Ordnung, Geltung eines Rechts des Stärkeren, Ausbeutung, Fehlen von Erziehung, Bildung, Wissenschaft und Kunst, blanker Unwissenheit (Erde als Scheibe), Aberglauben (Hexenverfolgung) und ähnlichem.
...
Im Europa des Mittelalters war eine unterentwickelte Gesellschaft erstmals erfolgreich darin sich selbst und aus eigener Kraft zu entwickeln und die moralischen und ethischen Bedingungen für tausend Jahre ununterbrochenen Wachstums zu schaffen. 

Die Leute hatten damals einfach die Faxen dicke vom römischen Reich, das nicht wegen dauernder germanischer Angriffe unterging sondern

wegen enteignender Besteuerung der Bevölkerung; gravierender Einschränkungen persönlicher Freiheiten, erstickender Regulierung und Überwachung des persönlichen und wirtschaftlichen Lebens, überbordender Bürokratie; ständiger und erhebliche Ressourcen verschlingender Kriegsführung, Günstlingswirtschaft, permanent höherer Ausgaben als Einnahmen, galoppierender Geldentwertung und daraus folgender Unwilligkeit der Bevölkerung, für "ihr" Imperium noch länger einzustehen.

Warum wir heute permanent die Ohren mit den Vorurteilen aus dem ersten Abschnitt vollgeblasen bekommen? Nun die Geschichte wird von den Siegern geschrieben und das sind derzeit Fans des römischen Staatsdiktatur-Systems.

Zum Ende der Antike war Rom nicht mehr in der Lage, zu regieren. Die germanischen Stämme waren frei von zentralisierter Staatskontrolle, jedoch nicht ohne Verwaltung. An die Stelle des untergegangenen Staates trat die Kirche und wurde zu einer moralischen Instanz mit gerichtlicher Macht. Aus dieser Situation erlangte die Kirche wirtschaftlichen Vorteil, da ihr von König und Adel großzügig kultivierbares Land geschenkt wurde. Bemerkenswerterweise stellte die Kirche jedoch keine Armee auf, um ihre Macht zu erhalten oder auszubauen, verschaffte sich kein Münzmonopol und keine Monopole auf Recht und Justiz.
Die christlichen und kirchlichen Beiträge zur Entwicklung der Zivilisation im Mittelalter waren bemerkenswert: Milderung der Sklaverei, größere Gleichheit innerhalb der Familie, Verbreitung des Konzepts des Naturrechts (jeder Mensch ist von Natur aus, also nicht erst durch die Gesetzgebung eines Herrschers oder Staates, mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet, unabhängig von Geschlecht, Alter, Ort, Staatszugehörigkeit oder der Zeit und der Staatsform, in der er lebt; die Naturrechte sind demnach vor- und überstaatliche "ewige" Rechte) einschließlich des legitimen Widerstands gegen ungerechte Herrscher. Das kanonische Recht der Kirche beeinflußte die westlichen Rechtssysteme und lehrte die Europäer, wie ein modernes Rechtssystem aussehen mußte.

Das anarchische aber dennoch sehr effektive und freie Rechtssystem des Mittelalters und seine Folgen auf Wirtschaft, Freiheit der Wissenschaft etc. führt der Autor kenntnisreich aus, es lohnt sich, nicht nur wegen dieses Artikels, das Heft zu lesen. Nur noch ein Zitat füge ich an, sozusagen in eigener Sache, da ich einmal eine (aus heutiger Sicht sehr schlechte Diplomarbeit über Frauen im Mittelalter und Hexen geschrieben habe) :

Frauen hatte keine untergeordnete, sondern eine den Männern weitgehend gleichrangige Stellung. Sie besaßen hohe Bildung und nahmen herausgehobene Positionen in der Wissenschaft ein, sie hatten Leitungsbefugnisse auch gegenüber Männern, ihnen gehörten und sie führten eigene Unternehmen, sie hatten das Wahlrecht, sie konnten ohne Zustimmung ihrer Ehemänner Geschäfte tätigen und hatten Zugang zu Staatsämtern. Es war die Wiederbelebung des römischen Rechts am Ende des Mittelalters, die Frauen in einen zweitrangigen Status zurückversetzte.
...
Mit dem Tode bedroht wurde derjenige, der eine angebliche Hexe verbrannte. 

(Noch das Konzil von Frankfurt 794 ordnete die Todesstrafe für einen solchen Mord an, erste Verurteilungen von Hexen gab es im 13. Jahrhundert, in vollem Umfang setzten die Verfolgungen in der Renaissance ein)

Die weit verbreitete Annahme, die Hexenverfolgungen gingen hauptsächlich auf das Konto der kirchlichen Inquisition, ist historisch falsch. Die weit überwiegende  Anzahl der Hexenprozesse wurde vor weltlichen Gerichten verhandelt.

Da der Autor ein Fan hübscher Damen in Mittelalter-Gewandung ist habe ich ein entsprechendes Bild gesucht. Es kommt von hier.





Donnerstag, 18. Juli 2013

Jau! Das wissen wir schon lange!

Gläubige Katholiken haben besseren Sex!

Hier der Link. Das Bild kommt auch daher.

Und wers nicht glaubt: Es ist vollkommen logisch.

Singles sind ständig auf der Suche nach neuen Sexualpartnern, die dann auch jedes Mal überzeugt werden müssen es mit einem zu treiben. Das klappt nicht regelmäßig, Singles haben daher statistisch weniger Sex als Menschen, die in festen Beziehungen leben.

Weiter ist es eine Frage des Vertrauens. Zumindest eine Frau braucht für entspannten Sex die Gewissheit, daß sie eventuell auch ein Kind bekommen könnte und dennoch nicht entweder zur Abtreibung gezwungen wird oder nachher mit einem Kind alleine gelassen wird, denn sämtliche Verhütungsmethoden sind bekanntermaßen nicht sicher.

Außerdem: Wer spielt schon gerne das schönste aller Spiele mit Plastiktüten zwischen sich. Und die Pille reduziert, wie längst nachgewiesen, das Verlangen der Frauen.

Den schönsten und meisten Sex haben demnach katholische Ehepaare, die den Vorgaben Ihrer Kirche folgen. Sie benutzen eine natürliche Verhütungsmethode, sind einander treu und nehmen die Kinder an, die kommen wollen. Sie haben kein Gerenne und Gerase auf der Suche nach einem Partner und keine Angst Kinder zu bekommen oder sich mit Krankheiten zu infizieren.

Ergebnis: Bester Sex.


Sonntag, 30. Juni 2013

Neid und Missgunst?


In einer Verlinkung bei Christliches Forum hat mir ein Kommentator Neid und Mißgunst vorgeworfen, weil ich mich beschwert habe, daß sich in einem Interview ein Homosexueller gefreut hat, daß er sich jetzt von der rückwirkenden Nachzahlung eine Eigentumswohnung kaufen kann.

Der Vorwurf von Neid und Missgunst ist da sehr beliebt, wo man jemanden daran hindern will sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren. Sofern man nicht einen Haufen Statistiken zitiert oder sich für jemanden einsetzt, dem es noch schlechter geht als einem selbst, setzt man sich diesem Vorwurf sehr schnell aus. Das macht ihn nicht richtiger, die andere Backe hinzuhalten wenn einen jemand schlägt, kann man für sich selbst tun aber nicht für andere, und seine Familie darf und muß man verteidigen.

Beim Nachdenken darüber fiel mir auf, daß die Diskussion um die Rückzahlung und selbst um die Homo-"Ehe" letztlich immer auf einen Nebenschauplatz führt. Es handelt sich ja wirklich nur um eine äußerst kleine gesellschaftliche Minderheit und selbst die Rückzahlungen kann eine Gesellschaft, die sich das Milliardengrab des Euro leistet durchaus verkraften.

Das Problem ist nicht nur diese Gleichbehandlung von Ungleichem, sondern daß es ein weiterer Angriff auf die Familie ist.

Der Effekt wird nämlich folgender sein:

Angezogen durch die staatliche Unterstützung wird es einen weit größeren Zulauf zu dieser neuen Institution geben.

Nach einiger Zeit stellt man fest, daß es in den Ehen, in die dann statistisch auch diese Pseudo-Ehen gehören, immer weniger Kinder gibt (Oh welches Wunder, das haben wir aber gar nicht schon vorher gewußt angesichts der Lebensweise Homosexueller).

Dann stellt man das Ehegattensplitting in Frage, wie das schon heute geschieht, weil man Familien ja nur  deshalb besonders fördert weil dort immer noch in der Regel Kinder sind.

Und dann hat man endgültig den Hort der Solidarität zerstört, der uns seit unserer Menschwerdung trägt - die Familie.

Vater und Mutter müssen beide arbeiten, die Kinder gehen von Geburt an in eine staatliche Institution mit den bekannten negativen psychischen Folgen, und der Staat hat endlich endlich die Lufthoheit über den Kinderbetten, und hält mit einem Heer von Psychologen, Pädagogen, Polizisten und zum Schluß der Armee die eigene Bevölkerung in Schach, die - hatten wir das nicht schon mal? - in Kolchosen arbeitet, nachdem man sie enteignet hat.

Und dann kracht das Ganze ebenso zusammen wie es das vor sehr kurzer Zeit schon einmal getan hat.

Wie blöde muß man eigentlich sein .....

Das Bild kommt von hier.