Sonntag, 28. Oktober 2012

Rezension des Buches von Dr. Eben Alexander über seine Nahtoderfahrung


Ich habe meine Grippe dazu genutzt das Buch von Dr. Eben Alexander über seine Nahtoderfahrung in Englisch auf dem Kindle zu lesen. Hier meine Rezension.

Dr. Alexander, ein Spezialist auf dem Gebiet der Neurochirurgie, fiel im Alter von 50 Jahren durch eine Spontaninfektion mit Colibakterien in Rückenmark und Gehirn, ein in dieser Form singuläres Ereignis, in ein siebentägiges Koma. Während dieses Koma war sein Großhirn ausgeschaltet, aufgefressen durch die Bakterien. Die Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang tendierte nach allen Erfahrungen, je länger das Koma dauerte, gegen Null. Am siebten Tag sollten die lebenserhaltenden Maßnahmen, sowie der Versuch den Infekt durch hohe Gaben von Antibiotika zu bekämpfen eingestellt werden, da bei immer noch nicht vorhandener Aktivität des Großhirns, wenn überhaupt, nur noch ein eventuell jahrelanger Zustand im vegetativen Stadium zu erwarten war, also einzig ein Körper ohne Geist.

Von seiner Familie und seinen Freunden hatte seit Beginn des Komas rund um die Uhr jemand bei ihm gesessen und seine Hand gehalten und sie hatten für ihn gebetet. Während seine Frau noch im Zimmer des Arztes war, der ihre Zustimmung für die Beendigung der lebenserhaltenden Maßnahmen einholte schlug er seine Augen auf und war wieder da mit einer für seine Lieben fühlbaren ganz anderen Präsenz als zuvor, innerlich heil und glücklich.

Nachdem er sich erholt hatte schrieb er auf, was er erlebt hatte. Er hatte solche Nahtoderfahrungen schon oft von seinen eigenen Patienten gehört, hatte sie aber, wie die meisten seiner Kollegen, ignoriert und als - letztlich mechanische - Fehlfunktionen des Gehirns abgetan, da diese Art von Wissenschaft konsequent davon ausgeht, daß es nichts gibt außer Materie und wenn es anders aussieht ignoriert man es eben oder überlegt sich ein paar schwache Erklärungen warum nicht sein kann was nicht sein darf.

Nur griff bei seiner Erfahrung keine dieser Erklärungen, da sie alle davon ausgehen, daß das Großhirn funktioniert. Eben das war aber bei ihm selbst komplett ausgeschaltet. Da er selbst jahrzehntelang Neurochirurg war konnte er seinen eigenen Fall wie den eines fremden Patienten untersuchen und die "wissenschaftlichen" Erklärungen widerlegen. In seinem Buch tut er das in allgemeinverständlicher aber auch in medizinischer Weise sehr überzeugend.

Das Besondere an seinem Fall ist aber nicht nur, daß er gegen alle medizinische Wahrscheinlichkeit überhaupt zurückkam und sich binnen relativ kurzer Zeit wieder im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte befand, sondern was er im Koma erlebte.

Er befand sich zunächst in einer Art übelriechendem blutigem Schlamm, er nennt ihn den Erdenwurmschlamm, aus dem nach und nach tierische Gesichter auftauchen, nach einiger Zeit wird ihm bewußt, daß er da nicht hingehört. Mit diesem Gedanken/Impuls beginnt er sich daraus zu erheben, trifft ein hilfreiches engelartiges Wesen, das ihm weiterhilft, ihm für ihn persönlich heilende Erklärungen gibt und mit ihm durch eine wunderschöne Gegend voller froher Menschen und singender Engel fliegt. Er beschreibt das so gut er kann - jedenfalls besser als ich - stellt aber immer wieder die Begrenztheit der Sprache und unserer menschlichen Kapazitäten fest diesen Bereich überhaupt zu erklären. Und er begegnet Gott, von dem er feststellt, daß er in der Tat menschliche Wesenszüge hat und eine Kommunikation wie mit einem Menschen möglich ist, dennoch Gott aber gleichzeitig so unendlich viel mehr ist, daß er auch von einem von den Schranken des Körpers befreiten menschlichen Wesen nicht zu erfassen ist, daß er aber vollkommene Liebe ist ....

Den Rest müßt Ihr selbst lesen. Es ist sehr spannend und berührend und ich habs in einem Rutsch gelesen.

Seinen Bericht habe ich in Bezug sowohl auf seine medizinischen Ausführungen als auf seine außerkörperlichen Erfahrungen als vollkommen glaubhaft empfunden. Das fiel mir auch deshalb nicht schwer weil ich als Ex-Esoterikerin natürlich etliche Bücher über Nahtoderfahrungen schon vor Jahrzehnten gelesen habe. Gleichzeitig hat seine Erfahrung noch einmal eine andere Dimension weil er, wohl weil sein Großhirn ausgeschaltet war, ohne Erinnerung an seinen Namen und auch alles andere aus seinem irdischen Leben in diese Erfahrung hineinging - dennoch aber offenbar als Individuum - während andere immer wieder erzählen, daß sie die Erinnerung an ihr Leben vollständig hatten. Dr. Alexander ging also auch unbelastet durch Gefühle von Verlust oder Reue und war dadurch wohl in der Lage erheblich mehr von der jenseitigen Welt zu erfahren als andere.

Auf dem Kindle erscheint zum Schluß die Aufforderung eine Bewertung abzugeben und ich habe ihm dennoch nur 4 von 5 möglichen Punkten gegeben. Der Grund sind seine Schlüsse, die er im letzten Kapitel zieht und die Aktivitäten, in denen er sich engagiert. Er hat den starken Wunsch nicht nur seine Kollegen, jedenfalls die, die ihre Ohren nicht ganz verschlossen haben, sondern auch so viele andere wie möglich an seiner Gotteserfahrung teilnehmen zu lassen - ein ehrenwertes Unterfangen. Ich denke aber daß er nicht nur seine eigene Heilung, die ihm in Form einer Botschaft seines Schutzengels gegeben wurde für alle verallgemeinert, sondern daß er auch in seiner Begeisterung trotz seiner Erfahrungen unterschätzt wie sehr wir unter den Bedingungen unserer Physis, denen er auch wieder unterliegt, zu täuschen sind. So empfiehlt er, um einen meditativen Zustand zu erreichen der uns Gott näher bringen kann zwar das Gebet, aber auch einen Apparat, der wie eine Brille auf die Augen gesetzt wird und mit Lichtblitzen in verschiedenen Frequenzen arbeitet um einen meditativen Zustand hervorzurufen. Ich kenne diesen Apparat, das Medium in unserer esoterischen Gruppe hat ihn vor Jahren aus den USA mitgebracht, wir haben es alle ausprobiert, nur wenige haben es als hilfreich gefunden und das Gerät ist dann wie so vieles in diesen 25 Jahren in der Versenkung verschwunden.

Außerdem habe ich aber auch sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht einfach nur die eigenen Fähigkeiten für außersinnliche Wahrnehmung zu schärfen, was zweifellos möglich ist. Wir haben auch hier einen Schutzengel, dennoch sehen wir hier durch den dunklen Spiegel der Erdenwurmperspektive - und die Möglichkeit getäuscht zu werden ist groß. Wenn jemand so sehr weiß wonach er sucht wie Dr. Alexander ist diese Gefahr vielleicht geringer als wenn jemand nur versucht um seiner selbst willen vollkommener zu werden, ich denke aber der sicherste Weg zu Gott ist immer noch ein sicherer Führer, und sicher ist auf jeden Fall Jesus Christus, die inkarnierte und in den Himmel aufgefahrene Liebe Gottes. Denn er kennt den Weg.

Ich will nicht kleinreden, daß es sehr hilft Meditationstechniken zu beherrschen und zu erlernen um offener und klarer für Gott zu werden, denn es hat mir auch geholfen, das Beten des Rosenkranzes oder der Tagesgebete der Kirche zum Beispiel ist jedoch auch eine Meditation und die Richtung dieser Gebete ist weit klarer als ein allgemeines Erlernen einer Meditationstechnik - insbesondere wenn man vor dem Tabernakel betet. (Für Nichtkatholiken: Das ist der kleine Schrank, in dem die in den Leib Christi gewandelte Hostie aufbewahrt wird. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht steht sie im Altarbereich)

Weiter zählt Dr. Alexander plötzlich im letzten Kapitel Reinkarnation als Möglichkeit auf, was in seiner eigenen Erfahrung nicht vorkommt. Dieses letzte Kapitel ist so blaß im Verhältnis zu den anderen, daß ich den Eindruck habe er ist, da das ganze Gebiet so neu für ihn ist, erst einmal in seiner ersten Begeisterung zu sehr auf die Esoterik eingestiegen statt den Weg zu Gott zu gehen den er kennt, nämlich Liebe zu leben und zu geben - und zu beten. Ich wünsche ihm sehr daß er sich nicht im esoterischen Erdenwurmschlamm verfängt.

Das Bild kommt von hier.

Kommentare:

  1. Liebe Dorothea,

    danke für diesen Bericht. Ich werde das Buch mal lesen, es klingt interessant was Du da geschrieben hast.
    Vergangenes Jahr, als mein Vater starb, habe ich mich sehr viel mit dem Thema "Koma" beschäftigt. Er lag über mehrere Wochen hin im Wachkoma, nach einem schweren Schlaganfall. In dieser Zeit habe ich etliche Berichte von ehemaligen Koma-Patienten gelesen, die entsetzliche Alpträume durchlebten. Einer meinte, in einem furchtbaren blutigen Krieg zu sein und sich verteidigen zu müssen, immer wieder in hoffnungsloser Lage, umgeben von schrecklichen Geräuschen, schrillenden Sirenen, Explosionen, Schreien. Hie und da hörte er aber liebevolle Stimmen und himmlische Musik, und er suchte nach einem "Schutzengel", den er immer wieder flüchtig spürte. Was ich da von Dir las, hat mich sofort an diese Geschichte erinnert. Wachkomapatienten durchlaufen mehrere Phasen bis hin zum aufwachen und - wenn es gut geht - bis zu einem einigermaßen selbstbestimmten Leben, was diesem Mann gelang. Er kam eines Tages soweit zu sich, dass er wieder wahrnehmen konnte, was um ihn herum vor sich ging, aber erst nach langer Zeit konnte er wieder kommunizieren. Er selbst erklärte sich seine Träume dann mit den schrecklichen Geräuschen auf der Intensivstation und später, als er in der Reha war, mit dem ununterbrochen laufenden Fernseher.
    Damals, als ich das las, war mein Vater noch auf der Intensivstation. Ich vergesse nie dieses oft angstverzerrte Gesicht und die Schweißtropfen, die manchmal auf seine Stirn traten, die Atmung eines Gepeinigten. Nicht ständig! Aber immer wieder kam es dazu. Er beruhigte sich, wenn man ihn streichelte und mit ihm sprach. Das blieb auch später so, als er im Pflegeheim war. Oft kam man zu ihm und spürte seine Angst. Die Hände hielt er einem fest mit der einzig beweglichen Hand, die er noch hatte, so dass es manchmal weh tat. Die Intensivstation empfand ich als die Hölle - ein ständiges Klingeln, Piepsen, Durcheinandergerede, Geräusche von Tätigkeiten im Hintergrund... Ich selbst war wenige Wochen vorher nach einem Unfall für eine Nacht und einen Tag auf der Intensiv gelegen und ich vergesse nie meine Angst und die Sehnsucht nach etwas Ruhe. Da konnte ich mich gut in meinen Vater hineinversetzen.
    Ja, das geht nun etwas durcheinander, und natürlich muss ich das Buch noch lesen. Was ich aber sagen will: Der Bericht gleicht diesem anderen und noch mehreren, die ich damals gelesen habe. Und ich denke, Das alles ist der verzweifelte Versuch eines schwer verletzten Gehirnes, sich zu orientieren. Ich bin sicher, dass ein Gehirn, das sich vorher mit Meditationstechniken befasst hat - bei Papa war es unter anderem das Gebet und der Rosenkranz, sowie die Musik - leichter wieder den Weg aus den Alpträumen findet. (Für ihn war es natürlich keine "Technik", sondern ganz einfach die Hinwendung zu Gott, an den er glaubte und dessen Werke er bewunderte!) Es ist ganz wichtig, beten zu lernen. Mir tun oft heute die Kinder und Jugendlichen leid, denen diese Chance verwehrt bleibt, und die einfach davon nichts wissen.
    Unser Vater ist wieder zu sich gekommen, kurz vor seinem Tod. Er war gelähmt und konnte nicht sprechen, aber wir haben es gemerkt an der Art, wie er uns ansah, wieder lächelte, uns die Hand drückte und insgesamt ganz anders reagierte. Er konnte auch durchaus seinen Willen äußern. Ich werde das nie vergessen - keiner von uns, glaube ich.
    Herzliche Grüße
    Mechthild

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  2. Liebe Meckiheidi,

    ich danke Dir für Deinen Bericht. Die plötzliche Klarheit vor dem Tod wird ebenfalls in dem Buch beschrieben und ist wohl fast ein Merkmal des herannahenden Todes bei einem zuvor kaum noch ansprechbaren Patienten. Der Autor sieht das nach seinen eigenen Erfahrungen aber mittlerweile als Zustand an, der die Klarheit auf der anderen Seite vorwegnimmt, während er das früher einfach abgetan hat als Hirnfunktion.

    Was die Erfahrungen bezüglich der Ängste betrifft so ist die Besonderheit bei dem Bericht des Dr.Alexander, daß sein Großhirn nicht verletzt sondern komplett ausgeschaltet war, Fantasien benötigen aber das Großhirn.

    Ja lies es mal. Ich finde es sehr tröstlich und er untersucht seine Erfahrung mit absolut wissenschaftlichen Mitteln und wegen seiner Ausbildung sehr kenntnisreich.

    Mein Vater lag vor seinem Tod auch im Koma und außerdem unter Medikamenten, laut der Klinik weil die Patienten sonst sehr unruhig werden. Wir konnten nur noch um sein Bett sitzen, ihm die Hand halten und ihn so in unseren Kreis hineinnehmen. Sein Gehirn war aber so schwer geschädigt daß er nach dem Abschalten der Schläuche noch in derselben Nacht gestorben ist. Die moderne Medizin verlangt einem wirklich schwere Entscheidungen ab....

    Ich habe Euren Blog anfangs deshalb sofort aufgenommen in meine Blogroll weil ich Euren Wunsch Eurem Vater ein Denkmal zu setzen so gut nachvollziehen konnte. Mein Vater ist noch nicht viel länger tot als Eurer.

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  3. Hallo Dorothea!
    ich habe das Buch ebenfalls gelesen und es anfangs sehr überzeugend gefunden. Nachdem ich mich aber im Anschluss darauf auch mit der Kritik diverser Experten auseinandersetzen wollte, sind mir allerdings Zweifel an der wissenschaftlichen Validität der dargebotenen Schilderungen gekommen. Vor allem wird hinterfragt, womit Dr. Alexander seine Überzeugung, sein Neokortex sei völlig abgeschaltet gewesen, belegt. Es ist lediglich eine CT (Computertomographie) seines Gehirns verfügbar, jedoch kein EEG, welches ja letztedlich die Methode ist, um Hirnaktivität zu messen. Könnten seine Erlebnisse aber nicht auf einen Zustand zurückzuführen sein, BEVOR sein Gehrin von der Bakterie attakiert wurde, bzw. in der Anfangsphase des Bakterienbefalls, in der ds Gehirn NOCH funktionierend, jedoch im veränderten Zustand, zu ähnlichen Erlebnissen geführt haben könnte? Es würde mich interssieren, was Du bzw. andere dazu meinen!
    Liebe Grüße
    Rain

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  4. @raindrop rain
    Meine medizinischen Kenntnisse reichen nicht um Deine Frage diskutieren zu können. Ich bin allerdings von einer Realität jenseits der unseren überzeugt, die nicht nur auf Hirnströme zurückzuführen ist.

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