Samstag, 29. Oktober 2011

Medizinrad in der Kirche

Ich habe in Osnabrück unter anderem über das indianische Medizinrad referiert, in dem ich jahrelang täglich meditiert habe. Das indianische Medizinrad ist ein Steinkreis, der sich zunächst nach den 4 Haupthimmelsrichtungen ausrichtet, in der Mitte liegt der Stein des "Großen Geistes" oder "Großes Geheimnis". Wenn man den Kreis betreten hat und an einer der Himmelsrichtungen steht bittet der Leiter der Zeremonie die Geister der 4 Himmelsrichtungen in den Kreis zu kommen, indem er sie mit Namen ruft, während der Stein des großen Geistes Himmel und Erde verbindet.

Das "Große Geheimnis" ist aber nicht dasselbe wie Gottvater, es ähnelt der esoterischen Energie, die alles durchdringt und in allem ist und also letztlich auf Pantheismus herausläuft. Ein solch schwammiges Gottesbild kommt denen entgegen, die vor allem keinen Gott wollen, der ihnen sagt was gut und böse ist oder sonst unbequeme Ansprüche stellt, die sie daran hindern genau das zu tun was ihnen gerade paßt, ganz gleich was das für ihre Nächsten bedeutet.

Wir haben nach dem Vortrag bei sehr lieben Leuten übernachtet und uns am nächsten Tag noch einmal Osnabrück angeschaut. Zum Angelusgebet um 12 Uhr waren wir gerade im Dom. Eine Nonne hielt eine Kurzandacht mit verkürztem Angelusgebet und einer deutlich längeren indianischen Medizinradmeditation, nur daß sie statt von den Geistern der vier Himmelsrichtungen von den Menschen der 4 Himmelsrichtungen sprach, für die wir beten sollten. Die Beschreibung dieser Menschen entsprach dem was traditionell diesen 4 Himmelsrichtungen jeweils an Kräften zugeschrieben wird, einschließlich der Verbindung von Himmel und Erde in der Mitte.

Es paßte wahrhaftig für uns wie die Faust aufs Auge. Da schwätzen diese unbedarften Leutchen etwas aus einer völlig anderen Spiritualität daher, ohne eine Ahnung was das eigentlich bedeutet und nur weils so schön exotisch ist, während das Angelusgebet mal schnell abgehakt wird. Wir haben 2000 Jahre katholische Gebete, Gedanken und Literatur, da ist mit Sicherheit etwas dabei, daß sich in einer Kurzandacht verwenden ließe.

Ich krieg die Krise über soviel Naivität, sie halten von ihrem eigenen Glauben offenbar so wenig wie sie von dem Glauben anderer wissen. *Haare rauf*

Bild: Medicine Wheel National Historic Landmark, Wyoming

Kommentare:

  1. Hallo Dorothea,

    wie gut ich Dich verstehen kann. Die katholische Kirche hat es wahrlich nicht nötig, Anleihen an eine fremde Spiritualität zu nehmen um das Angelusgebet etwas aufzupeppen. Aber mittlerweile werden auch Yoga und Reikikurse u.v.m. in christlichen Bildungsstätten oder Klöstern angeboten. Bitte bequeme Kleidung und Wolldecke mitnehmen.

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  2. Ich lernte auf der Suche nach einem geeigneten Beichtvater einen Priester kennen, der mit einer Sondergenehmigung eine Reiki-Ausbildung gemacht hatte. Er stand dem völlig unkritisch gegenüber und sagte mir, mein Lebensweg sei so besonders, da müsse ich alleine herausfinden wie es weitergeht. Wirklich eine tolle Hilfe für jemanden der seine esoterischen und sonstigen Verstrickungen bearbeiten und sich von ihnen lösen will.

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  3. Deine Odysee durch die Esoterikszene hatte gewiss auch ihr Gutes, z.B. warst Du imstande, die "Medizinradmeditation" als solche zu erkennen, was vielen anderen dort vermutlich gar nicht aufgefallen ist.

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