Freitag, 4. Juni 2010

Esoterik und Mystik

Ich lese gerade bei Materamata, daß Augsburger Prälaten die charismatische Erneuerung und Wigratzbad verunglimpfen. Ich habe den Eindruck, daß sie unter den Begriff der Esoterik alles subsumieren was nicht von dieser Welt ist. Dann müssen sie Jesus Christus und auch die Hälfte aller Heiligen ignorieren oder sie wie die Heilige Elisabeth auf Sozialarbeit reduzieren - was sie vermutlich tun.

Mitbekommen habe ich als katholischer Anfänger immerhin, daß auch Charismatiker bei den modernen Katholiken zu den Pfuibähs zählen. Ich bin nie zu Veranstaltungen hingegangen, in denen laut Erzählungen ein Charismatiker Leute zum Schweben gebracht hat, ich hab in der Tat fürs Leben genug von so was und bin aufgrund meiner Geschichte äußerst mißtrauisch gegen alles was nach einem unkontrollierbaren Übergriff aussieht (ein beliebter esoterischer Sport).

Die alte Dame, mit der ich als erste von meinen esoterischen und schamanischen Erfahrungen sprechen konnte war aber früher in der charismatischen Erneuerung. Nach ihren Berichten ging es da auch am Anfang drunter und drüber und es gab Personen, die von dem Status eines Gurus nicht weit entfernt waren. Aber offenbar hat ja die katholische Kirche das Gegengewicht gegen ihr rationalistisches diesseitiges Religionsverständnis (Es ist mir ein Rätsel wie das überhaupt gehen soll!) in weiten Teilen bitter nötig.

Ich weiß, daß die Unterscheidung der Geister ein ständiger Balanceakt ist, mit anderen Worten man muß sich ständig fragen wem man da eigentlich zuhört, und ob es von der richtigen Adresse kommt. Genau dieses Problem kennt aber auch die katholische Kirche und hat in zweitausend Jahren gelernt wie man das macht. Allerdings habe ich den Eindruck, daß vieles wieder verloren gegangen ist, da es das ja heute alles nicht geben darf.

Eine der wichtigen Regeln ist, daß man nicht alleine überWert oder Unwert einer ungewöhnlichen Wahrnehmung entscheidet, sondern sich darüber immer mit seinem Beichtvater bespricht, denn eine Kontrolle ist da sehr nötig. Sonst kommt man schnell dazu, sich wie jeder olle Esoteriker zu verhalten und auf einen veritablen Egotrip zu gehen. Mit einem Guru kann ein anderer Guru wenig bis gar nicht zusammenarbeiten, denn jeder hat ja seine Eingaben, die er natürlich von höchster Instanz bekommt - ein Haufen Egozentriker also.

Das heißt aber eben nicht, daß es die unsichtbare Welt nicht gibt. Wir müssen damit umgehen sonst geht es mit uns um. Und da spielen diejenigen aus der Charismatischen Erneuerung, die die notwendigen Umgangsregeln gelernt haben eine wichtige Rolle. Wenn man jede Mystik als esoterisch verunglimpft landet man zum Schluß bei der Mystifizierung weil man das Mysterium abgeschafft hat. Das wird für mich besonders deutlich an vielen der besonders flachen Trällerliedchen des Neuen kirchlichen Liedguts. Eine Spezialaversion habe ich gegen "Wenn das Brot, das wir teilen als Rose blüht..." Ein Haufen verschwurbelter Mystifizierung, über die man einen schlechten Deutschaufsatz schreiben kann im Versuch seine Bedeutung zu erklären.

Kommentare:

  1. Ja, die unsichtbare Welt gibt es. Der Glaube, der das nicht wahrhaben will, stellt sich blind und taub - wahrscheinlich, um nicht den Verstand zu verlieren; aber deshalb kann man ja das Phänomen nicht leugnen. Vieles wäre noch anzumerken. Ein trauriges Kapitel ist sicherlich, dass nur wenige katholische Geistliche noch in der Lage sind, jemanden in diese(r) unsichtbare(n) Welt zu führen - und das, obwohl sie täglich die Hl. Messe zelebrieren, wo es doch nur so wimmelt vor Engeln, wie jeder feststellen kann, der seine metaphysischen Antennen nur ein wenig auf Empfang gestellt hat. Kein Wunder, dass viele in ihrer Verzweiflung zu zweifelhaften Gurus oder esoterischen Gruppen Zuflucht suchen.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Christian, danke für Deinen Kommentar. War nicht so einfach mit meiner komischen Geschichte mich zu entschließen zu bloggen.

    AntwortenLöschen
  3. Ist hier off topic, aber: Ich habe den Eindruck, daß Esoteriker ihre innere Unruhe und ihren inneren Unfrieden in die Welt tragen und der Umgang mit ihnen eher kraftraubend ist. Wie siehst Du das?

    AntwortenLöschen
  4. @Tiberius
    Ich hatte in meinen über 20 Jahren Esoterik zunehmend den Eindruck unter Strom zu stehen und das Gefühl wie auf den Zehenspitzen, etwa wie beim Start eines Rennens, zu laufen, völlig aus dem Gleichgewicht. Ich habe allerdings auch sehr deutlich bei einem Guru, anerkannt in seiner Gruppe, der von einem Austausch von männlicher und weiblicher Energie per Händegeben schwafelte, erfahren, daß es da keinen Austausch von Energie gab sondern daß er mir welche genommen hat und ich ihn dann erst mal wieder loswerden mußte. Diese Erfahrung habe ich schon von mehreren Leuten gehört, die sich daraufhin Esoteriker, die ja häufig meinen das Recht des Stärkeren für sich in Anspruch nehmen zu dürfen, lieber mit der Mistforke vom Leib halten als ihnen noch einmal zu nahe zu kommen.

    AntwortenLöschen
  5. Dann haben wir, ich im Vergleich zu Dir ja nur sehr beiläufig, ähnliche Erfahrungen mit Esoterikern. Ich erlebe das Verhalten als sehr übergriffig.

    AntwortenLöschen
  6. Das mit der Übergriffigkeit kannst Du laut sagen! Jemand, der von "höheren Mächten" "Eingaben" erhält ist notwendig übergriffig wenn er damit so wenig demütig umgeht wie Esoteriker das tun, denn er weiß ja kraft seines höheren Wissens am besten was für Dich gut ist. Lauter Überväter und Übermütter mit einem Mangel an Respekt für Deine Freiheit.

    AntwortenLöschen