Samstag, 14. Mai 2011

Wie verirrte Schafe


Letzte Woche waren wir auf einer Beerdigung. Linksintellektuelle Szene. Die Erklärung warum die Trauerfeier in einer Friedhofskirche - der Sarg stand unter einem Kreuz - stattfand, war Folgende:

Der Verstorbene ist nie aus der katholischen Kirche ausgetreten (das ist in der Tat ungewöhnlich für diese Szene), daher bekommt er ein christliches Begräbnis (damit sich keiner wundert). Ich wunderte mich allerdings wo denn der Priester war.

Denn einer seiner Freunde hielt eine Rede, in der er den Lebensweg des Toten nachvollzog, es gab einige Musikstücke, zum Teil sehr schön, aber ein Priester war nicht zu sehen. Nach Beendigung der Feier ging rechts die Tür auf und herein wehte ein kleines Frauchen in einem weißen Kittelchen ??? Gleich hinter ihr kamen die Friedhofsbeamten um den Sarg zu transportieren, und der Zug, mindestens 100 Leute, setzte sich Richtung Grab, das kleine Frauchen mit dem Kreuz vorneweg, in Bewegung.

Unterwegs zum Grab erklärte uns ein Bekannter, daß man die zuständige Pfarrei um ein Begräbnis gebeten hatte, es solle aber nicht so viel "Brimborium" dabei sein. Die Pfarrei hatte dann eine Gemeindereferentin in besagtem Kittelchen mit einem Kreuz geschickt. Sie hielt eine kurze Ansprache am Grab und dann betete sie das Vater unser. Mitgebetet wurde es ganz vorne am Grab, offenbar von ein paar Angehörigen, und von meinem Mann und mir, die weiter hinten standen. Ansonsten Stille.

Und wißt Ihr was? Ich war heilfroh daß überhaupt jemand ein Gebet sprach an diesem Grab und ein Kreuz darüber schlug, ob Gemeindereferentin mit Kittelchen oder nicht! Und diese ganze Truppe da am Grab machte plötzlich auf mich den Eindruck von verlorenen Schafen, die auch noch stolz auf ihre Verlorenheit sind - und sie taten mir leid.

Kommentare:

  1. Deine Einschätzungen finde ich zutiefst richtig. Bei uns wurden jetzt Beerdigungsdingsbumsmenschen "ausgebildet" und jetzt übernehmen sie die Beerdigungen, wo das gewünscht wird. Ich frage mich, was Priester überhaupt noch machen....

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  3. Ich wollte eigentlich nur mal einflechen, daß man so ein Kittelchen auch einfach Albe nennen kann.

    Sponsa, sie ist doch gerade nicht ausgetreten. Ich hatte neulich den umgekehrten Fall: jemand ist ausgetreten, aber nicht glaubenslos gewesen. Er hätte sich den (ev.) Pfarrer am Grab wahrscheinlich gewünscht, ist aber überraschend gestorben. Die Verwandschaft hat erst gar nicht den Versuch gemacht, doch einen Pfarrer zu finden, der käme. Es wurde dann eine fast völlig areligiöse Beerdigung – ich hab dann was gebetet…

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  5. @Philipp
    Das Problem bei dieser Beerdigung war wohl auch daß sie selbst nicht so genau wußten ob sie eine christliche Beerdigung wollten oder nicht und wohl gegenüber der Pfarrei sich entsprechend abwiegelnd geäußert haben.
    @Braut des Lammes
    Eine Albe ist doch das Untergewand eines Priesters, was soll eine Gemeindereferentin darin zu suchen haben? Sie sah jedenfalls darin aus wie in einem Kittelchen. Das kann aber auch dem Umstand geschuldet sein, daß Priestergewänder nun mal für Männer gemacht sind und Frauen darin einfach unmöglich aussehen wie schon öfter in badvestments.blogspot.com zu sehen war. Die Männermode ist da zwar auch zum Weglaufen weil clownesk, aber der Schnitt paßt immerhin noch zur männlichen Figur.
    @sponsa agni
    Ja der Verstorbene ist - erstaunlich für diese Szene - nie ausgetreten. Ich hab das schon manchmal von Katholiken gehört daß das Austreten aus der katholischen Kirche wohl emotional weniger einfach ist als das Austreten aus der evangelischen Kirche - der Leib Christi ruft wohl doch.

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  6. Dorothea, ich will dich nicht belehren, aber du irrst, was die Albe betrifft: Die Albe ist das Gewand der Getauften (daher auch die Bezeichnung Dominica in albis für den weißen Sonntag), es kann von Männern wie Frauen getragen werden.

    Am Schnitt kann es auch nicht liegen, wenn du dir Ordensgewänder einmal anschaust, wirst du feststellen, daß die Tunika, die von Ordensmännern wie von Ordensfrauen getragen wird, dem gleichen Schnitt folgt. Ein bodenlanges Gewand steht jedem.

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  7. @Braut des Lammes
    Oh ich habe schon den Eindruck daß Du mich belehren willst :) Da ich schließlich aber immer noch ein Neuling bin bedanke ich mich dafür.
    Wenn die Albe das Kleid der Getauften ist heißt das, daß einfach jeder Christ mit so etwas rumlaufen kann und auch beerdigen kann z.B?

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  8. Was die Abhaltung von Andachten und kirchlichen Feiern angeht: jeder der damit vom Bischof oder vom Ortspfarrer beauftragt ist (für die Beerdigungsfeier braucht es sicher die Ernennung als Gottesdienstbeauftragter, für die Rosenkranzandacht muß der Kirchenrektor seine Zustimmung geben).

    Eine Albe tragen kann jeder getaufte Christ. Das was man Ministranten hier flapsig einen "Betsack" nennen und deshalb nicht tragen wollen (verstehe ich in dem Fall völlig), ist auch eine Albe. Zur hl. Messe heißt es in der AEM, nachdem erklärt wurde, was die Priester und Diakone tragen: Alle anderen, die einen Dienst am Altar versehen und nicht Priester oder Diakone sind, können eine Albe oder ein anderes in den einzelnen Gebieten rechtmäßig zugelassenes Gewand tragen. Für Lektoren und andere Dienste wird es an anderer Stelle (Nr. 82) sogar als wünschenswert angesehen. Wenn ich mir anschaue, was manche zum Lesen so tragen, fände ich das auch.

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  9. Liebe Dorothea,
    Braut des Lammes hat recht, die Albe ist nicht dem Priester vorbehalten. Was du nicht "anziehen" darfst, ist die Stola oder das Messkleid (klaro). Warum soll nicht "jeder" beerdigen dürfen? Zur Beerdigung braucht es keinen Priester, wieso auch, man betet ein Vater unser oder sonst ein würdiges Gebet, ist ja bei den Juden auch so. Die Beerdigung ist kein Sakrament. Aber lies mal im Alten Testament im Buch Tobias, da ist es ein Werk der Barmherzigkeit (übrigens auch bei uns), die Toten zu begraben. Natürlich wird man aber nicht "jeden" damit betrauen bzw. findest eh kaum Leute, die das machen würden. Daher wird der Gemeindereferent geschult und der "darf" das dann; da merkt man, dass die Kirche zu einer "Beamtenkirche" verkommen ist.
    @Philipp: ein Priester sollte ein Mann des Gebetes und daher bevorzugt in der Kirche anzutreffen sein; heute ist es allerdings so, dass sich viele Priester als Manager der Pfarrgemeinde verstehen und bevorzugt am PC anzutreffen sind!

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